Eine weibliche Ritterin, pestverseuchtes Italien im 14. Jahrhundert, ein Gelübde und eine Rettungsmission – das klingt nach dem perfekten Rahmen für ein packend inszeniertes Action-Abenteuer. Und ehrlich gesagt: Das Erstlingswerk des italienischen Indie-Studios Sedleo hätte genau das sein können. 1348 Ex Voto ist am 12. März 2026 für PC und PlayStation 5 erschienen, kostet 24,99 EUR und trägt den Einfluss großer Mittelalter-Spiele deutlich auf der Hülle. Was es daraus macht, ist leider eine gemischte Geschichte – eine Geschichte von genuiner Leidenschaft auf der einen Seite und handwerklichen Schwächen auf der anderen.
Worum geht es in 1348 Ex Voto?
Das Spiel wirft dich direkt ins Jahr 1348 – mitten in die Schwarze-Pest-Epidemie, die Europa damals verwüstete. Du steuerst Aeta, eine junge Adlige und ausgebildete fahrende Ritterin, gesprochen von Alby Baldwin. Aeta lebt in einem kleinen Dorf, das zu Beginn des Spiels brutal überfallen wird. Mitten im Chaos verschwindet Bianca – Aetas engste Vertraute, gesprochen von Jennifer English – entführt von unbekannten Angreifern. Aeta schwört ein sogenanntes „ex voto” – ein Gelübde, Bianca zu finden und zu retten. Das ist der Startschuss für eine Reise quer durch das zerrissene Italien des späten Mittelalters.
Das Spiel ist damit im Kern eine Geschichte darüber, ob der Zweck die Mittel heiligt. Aeta muss auf ihrem Weg Entscheidungen treffen, die sie an ihre moralischen Grenzen bringen. Sie trifft auf fanatische Glaubenskrieger, umherziehende Banditen und kampferprobte Söldner – all das vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die die Pest bereits in die Knie gezwungen hat. Game Director Tom Oceano beschreibt das Projekt als zutiefst persönliche Geschichte über Ehre, Gerechtigkeit und Opferbereitschaft in einer Zeit, in der diese Begriffe ihre Bedeutung fast verloren hatten.
Das klingt stark – und der Einstieg ist es auch. Die erste Szene, in der Aeta und Bianca zusammen üben und dabei über die gesellschaftlichen Grenzen für Frauen in dieser Epoche sprechen, hat echte Stärke. Beide Charaktere werden sofort greifbar, ihre Beziehung wirkt echt. Was dann kommt, kann dieses Niveau leider nicht durchgehend halten.
Eckdaten im Überblick
| Eigenschaft | Detail |
| Titel | 1348 Ex Voto |
| Entwickler | Sedleo (Italien, Erstlingswerk) |
| Herausgeber | Dear Villagers (Frankreich) |
| Erscheinungsdatum | 12. März 2026 |
| Plattformen | PC (2 digitale Plattformen), PlayStation 5 |
| Genre | Action-Abenteuer, Dritte-Person-Perspektive |
| Spielzeit Hauptgeschichte | ca. 5–6 Stunden |
| Preis | 24,99 EUR |
Wer hat das Spiel gemacht?
Sedleo ist ein neues, italienisches Indie-Studio, das 1348 Ex Voto als erstes eigenes Spiel veröffentlicht. Das Team besteht laut eigenen Angaben aus erfahrenen Entwicklerinnen und Entwicklern mit internationalem AAA-Hintergrund. Herausgegeben wird das Spiel von Dear Villagers, einem französischen Herausgeber, der Teil von Plug In Digital ist und sich auf ambitionierte Indie-Produktionen spezialisiert hat.
Für ein Erstlingswerk eines kleinen Studios ist der Umfang beachtlich: historisch recherchierte Umgebungen, ein auf echten historischen Kampfkünsten basierendes Kampfsystem, Bewegungserfassung mit ausgebildeten Darstellern und ein vollständig vertonter Cast. Man spürt die Leidenschaft hinter dem Projekt – was die vorhandenen Probleme umso frustrierender macht.
Kampfsystem: Historisch inspiriert, in der Praxis holprig
Das Kampfsystem ist der Kern des Spiels – und gleichzeitig sein größter Streitpunkt. Aeta kann zwischen zwei Kampfhaltungen wählen: einhändig und zweihändig. Der Spieler kann Angriffe und Blocks ausführen, muss dabei eine Ausdauerleiste im Blick behalten und versucht, die Ausdauer der Gegner zu brechen, um sie dann verletzbar zu machen. Fertigkeitsbücher, die man im Spiel findet, schalten neue Komboangriffe frei. Dazu lässt sich das Schwert mit verschiedenen Waffenteilen anpassen.
Das klingt nach einem soliden System, und im Kern ist der Ansatz sogar interessant. Die sogenannten Perfektion-Angriffe – bei denen du direkt im richtigen Moment angreifst – erzeugen eine Art Rhythmus, der sich kurz sehr befriedigend anfühlt. Für Bossgegner sind diese Manöver auch tatsächlich notwendig.
In der Praxis scheitert das System aber an der Umsetzung. Mehrere Testberichte und viele Spielerinnen und Spieler kritisieren das Automatik-Zielerfassungssystem: Das Spiel wählt selbst aus, welchen Gegner du fokussierst – und das oft in Situationen, die keinen Sinn ergeben. Wenn mitten in einem Mehrfachkampf die Zielerfassung auf einen anderen Gegner springt, setzt sich die aufgebaute Stärke des vorherigen Ziels zurück. Das bedeutet: Du fängst quasi wieder von vorne an, obwohl du bereits hart gearbeitet hast. Kamera und Zielerfassung arbeiten dabei manchmal gegeneinander.
Hinzu kommt, dass Gegner oft seltsam in der Luft stehen, sich in einer Reihe aufstellen und dann einer nach dem anderen angreifen – anstatt tatsächlich zusammen zu attackieren. Das macht Kämpfe zwar manchmal einfacher, aber auf eine Weise, die sich nicht spannend, sondern einfach flach anfühlt.
Die Spielwelt: Wunderschön und fast leer
Was das Spiel wirklich kann, sind die Umgebungen. Sedleo hat das Team nach eigenen Angaben durch verschiedene Regionen Italiens geschickt, um authentische Schauplätze zu recherchieren. Das Ergebnis sieht man: Die Berglandschaften des Apennins, verlassene Burgen, antike Ruinen aus der Römerzeit, düstere mittelalterliche Dörfer und weitläufige Waldgebiete sind visuell beeindruckend – vor allem auf PlayStation 5 und bei niedrigeren PC-Einstellungen.
Das Problem ist, dass diese Welt fast leer ist. Zwischen den Kämpfen läuft Aeta durch lineare Korridore. Gelegentlich gibt es kleine Umgebungsrätsel – eine Kiste verschieben, ein Seil durchschneiden, eine Plattform absenken. Diese Aufgaben sind einfach und verändern das Spielgefühl kaum. Sammelgegenstände wie Schmuckstücke und Schätze liegen verteilt und laden zum Erkunden ein, wirken aber nicht wie ein echtes System, sondern eher wie eine nachträglich eingefügte Rechtfertigung für das Herumschauen.
Die Spielwelt hat das Potenzial, eine echte mittelalterliche Atmosphäre zu erzeugen – und manchmal gelingt das auch. Wenn die Pest-Atmosphäre greift, die Lichtverhältnisse stimmen und die Sprachausgabe den Moment trägt, lebt das Spiel. Nur passiert das nicht oft genug.
Technische Probleme: Vor allem auf dem PC
Der wohl größte Schwachpunkt von 1348 Ex Voto ist die technische Qualität, besonders auf dem PC. Mehrere Tester mit gut ausgestatteten Rechnern berichten von starken Einbrüchen der Bildwiederholrate, selbst auf mittleren Grafikeinstellungen. Eine Rezensentin mit einer RTX 3060 Ti, einem AMD Ryzen 7 5700X und 16 GB Arbeitsspeicher musste das Spiel auf niedrige Einstellungen herunterschalten, um halbwegs stabile 60 Bilder pro Sekunde zu erreichen – und selbst dann gab es regelmäßige Einbrüche auf 30. Für ein Indie-Spiel dieser Größenordnung ist das enttäuschend.
Dazu kommen Fehler im Spielbetrieb: Zwischensequenzen, die holprig ineinander übergehen, Speicherpunkte, die zu weit auseinanderliegen und nach einem Tod frustrierend viel Fortschritt vernichten, sowie gelegentliche Darstellungsfehler. Das Einstellungsmenü ist außerdem sehr begrenzt – Mausempfindlichkeit lässt sich kaum anpassen, was das Spielen mit Maus und Tastatur zu einer zusätzlichen Herausforderung macht.
Die PlayStation-5-Version schneidet in Testberichten etwas besser ab, leidet aber ebenfalls unter dem unebenen Kampfsystem und der dünnen Spielwelt. Physische Fassungen für die PS5 – eine Limited Edition und eine Golden Edition – sollen am 4. Juni 2026 folgen.
Stärken und Schwächen auf einen Blick
| Kategorie | Stärken | Schwächen |
| Geschichte | Starker Einstieg, greifbare Beziehung zwischen Aeta und Bianca | Handlungsfäden werden nicht zuende geführt |
| Kampfsystem | HEMA-inspirierter Ansatz, Perfektion-Angriffe | Fehlerhafte Zielerfassung, monoton im Verlauf |
| Grafik | Wunderschöne Umgebungen, starke Gesichtsanimationen | Technisch schlecht optimiert auf PC |
| Spielwelt | Atmosphärisch, historisch recherchiert | Weitgehend leer, lineare Korridore |
| Sprecher | Herausragende Leistungen beider Hauptdarsteller | Nebencharaktere blass |
| Technik | PS5-Fassung stabiler | Bugs, zu wenig Einstellungsoptionen, schlechte PC-Performance |
Was wirklich funktioniert: Charaktere und Atmosphäre
Es wäre unfair, nur die Schwächen zu benennen. Das Spiel hat echte Stärken – und die liegen vor allem in seinen Hauptfiguren und seiner Atmosphäre. Diese drei Punkte stechen dabei klar heraus:
- Alby Baldwin spielt Aeta mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Naivität, die die Figur sofort sympathisch macht
- Jennifer English bringt Bianca in den Filmsequenzen zum Leben und liefert die stärksten Momente des Spiels
- Die Gesichtsanimationen sind für ein Indie-Spiel überraschend ausdrucksstark und geben den Charakteren echte Tiefe
Das Setting des pestverseuchten Italiens hat eine Stimmung, die das Spiel in seinen besten Momenten trägt. Die Umgebungen, der Tonfall der Charaktere und die Hintergrundgeschichte der zerbrochenen Gesellschaft erzeugen eine dichte Atmosphäre, die neugierig macht – auch wenn das Spiel diese Neugier nicht immer befriedigend auflöst.
Editionen
| Physische PS5-Fassungen | Limited Edition + Golden Edition, ab 4. Juni 2026 |
| Spielmodus | Einzelspieler |
| Stimmen | Alby Baldwin (Aeta), Jennifer English (Bianca) |
Fazit: Ein Spiel, das man gerne gemocht hätte
1348 Ex Voto ist ein Spiel, das man gerne mehr mögen würde, als es einem erlaubt. Das Studio Sedleo hat echte Leidenschaft in dieses Projekt gesteckt, und das sieht man in jedem Detail des Schauplatzes, in den Hauptfiguren und im Ansatz des Kampfsystems. Das Spiel hat Ideen, die funktionieren können – sie sind nur nicht fertig genug, um durchgehend zu tragen.
Für 24,99 EUR bekommst du ein rund fünf bis sechs Stunden langes Mittelalter-Abenteuer mit starkem Start, beeindruckenden Landschaften und zwei gut gespielten Hauptfiguren. Du bekommst aber auch frustrierende Kämpfe mit einer kaputten Zielerfassung, technische Probleme auf dem PC und eine Spielwelt, die schöner aussieht als sie sich anfühlt.
Wer den mittelalterlichen Schauplatz liebt, eine kurze und atmosphärische Geschichte genießen möchte und mit Fehlern leben kann, findet hier trotz allem einen angenehmen Ausflug ins 14. Jahrhundert. Wer einwandfreie Technik und tiefes Gameplay erwartet, wird enttäuscht sein.
Häufig gestellte Fragen
„Ex Voto” ist lateinisch und bedeutet sinngemäß „aufgrund eines Gelübdes”. Der Titel beschreibt die zentrale Triebkraft der Hauptfigur Aeta: Sie schwört ein Gelübde, ihre Vertraute Bianca zu retten – und hält daran fest, egal was es kostet.
1348 Ex Voto erschien am 12. März 2026 für PC und PlayStation 5. Eine ursprünglich geplante Xbox-Version wurde gestrichen, damit sich das Team auf PC und PS5 konzentrieren konnte. Physische Fassungen für PS5 erscheinen am 4. Juni 2026.
Die Hauptgeschichte dauert rund fünf bis sechs Stunden. Wer alle optionalen Sammelgegenstände und Schätze sucht, braucht etwas länger, aber es bleibt eine kurze Erfahrung.
Leider nein – das ist der schwächste Punkt des Spiels. Selbst auf gut ausgestatteten Rechnern berichten viele Spielerinnen und Spieler von starken Bildrate-Einbrüchen, Stottern und zu wenigen Einstellungsoptionen. Die PS5-Fassung schneidet in diesem Punkt besser ab.
Das hängt von deinen Erwartungen ab. Für 24,99 EUR bekommst du ein kurzes, atmosphärisches Mittelalter-Abenteuer mit starken Hauptcharakteren und einem wunderschön gestalteten Italien als Kulisse. Wer mit Fehlern und einfachem Gameplay leben kann und das Setting liebt, findet hier trotzdem Unterhaltung. Wer perfekte Technik und tiefes Kampfsystem erwartet, sollte warten bis Patches die Probleme behoben haben.