Epic Games hat das kontroverse Horror-Spiel “Horses” nur einen Tag vor Release vom Epic Games Store verbannt. Grund: Das Spiel verstoße gegen die Content-Richtlinien wegen “unangemessenem Inhalt”. Publisher Santa Ragione ist wütend und wirft Epic vor, sie “komplett geghostet” zu haben.
Das Spiel war bereits auf Steam erschienen und dort ebenfalls kontrovers, aber nicht gebannt. Epic dagegen zog die Notbremse – ohne vorherige Warnung, ohne Dialog, einfach raus. Santa Ragione sagt: “Wir wurden behandelt wie Luft.” Die Geschichte zeigt, wie willkürlich Plattformen manchmal agieren und wie schwer es für kleine Studios ist, sich zu wehren.
Was ist “Horses” überhaupt?
Horses ist ein experimentelles Horror-Spiel vom italienischen Studio Santa Ragione. Es spielt in einem surrealen Setting und behandelt Themen wie Trauma, Isolation und psychische Gesundheit. Das Spiel nutzt verstörende Bilder und symbolische Gewalt, um seine Geschichte zu erzählen. Auf Steam wurde es als “Art Game” vermarktet – ein Spiel, das Grenzen auslotet und bewusst provoziert. Einige Kritiker lobten es als mutig, andere fanden es geschmacklos.
PC Gamer schrieb: “Horses ist ein echtes Beispiel dafür, wie Spiele effektiv von Film und Literatur borgen können – und wie sie auch stolpern können. Trotz seiner Schwächen ist Horses ein ernsthafter Versuch, durch Videospiele Räume anzusprechen, die Film und Literatur für selbstverständlich halten. Wir sollten das nicht übersehen, nur weil Steam squeamish war.”
Horses auf Plattformen:
- Steam: Verfügbar (mit Altersfreigabe)
- Epic Games Store: Gebannt
- PlayStation/Xbox: Nicht eingereicht
- GOG: Nicht verfügbar
Epic: “Adults Only”-Rating, also raus
Epic Games erklärte in einem Statement: “Unser Team hat das Spiel gespielt und festgestellt, dass es gegen die Content-Richtlinien des Epic Games Store verstößt, insbesondere gegen die Richtlinien zu ‘unangemessenem Inhalt’ und ‘hasserfülltem oder missbräuchlichem Inhalt’.” Zusätzlich füllte Epic selbst den Ratings-Fragebogen für das Spiel aus und kam zum Ergebnis: Adults Only (AO). Spiele mit AO-Rating sind auf dem Epic Games Store nicht erlaubt.
Das Problem: Santa Ragione hatte selbst ein anderes Rating eingereicht. Sie sagen, Epic habe eigenmächtig entschieden, ohne sie zu konsultieren. “Wir haben den Fragebogen ausgefüllt, und unser Rating war nicht AO”, sagte ein Sprecher von Santa Ragione. Epic konterte: “Da dies keine offizielle Einreichung war, haben wir kein Zertifikat, das wir mit dem Team teilen können. Wir haben den Entwicklern aber erklärt, gegen welche Richtlinien sie verstoßen haben.”
| Plattform | Rating | Status |
| Steam | Mature 17+ | Verfügbar |
| Epic Games Store | Adults Only (von Epic selbst vergeben) | Gebannt |
Santa Ragione: “Sie haben uns geghostet”
Santa Ragione veröffentlichte ein wütendes Statement: “Epic Games hat uns effektiv geghostet. Wir haben versucht, mit ihnen zu sprechen, aber sie reagieren nicht. Sie haben unser Spiel einen Tag vor Release gebannt, ohne vorherige Warnung, ohne Dialog. Ein Epic-Manager sagte öffentlich ‘wir lieben dieses Studio’, aber privat ignorieren sie uns komplett.”
Das ist besonders bitter, weil Santa Ragione ein kleines Indie-Studio ist. Sie können sich keine Rechtsabteilung leisten, die gegen Epic kämpft. Wenn eine Plattform sie bannst, verlieren sie potenzielle Verkäufe und Sichtbarkeit. Steam hat das Spiel nicht gebannt, also scheint es dort akzeptabel zu sein. Aber Epic hat eine andere Politik – oder zumindest weniger Transparenz.
Wie willkürlich sind Plattform-Entscheidungen?
Die Geschichte zeigt ein größeres Problem: Plattformen haben enorme Macht, aber wenig Verantwortung. Epic kann ein Spiel einen Tag vor Release bannen, ohne echte Begründung oder Diskussion. Steam lässt dasselbe Spiel zu. Valve hat zumindest einen Prozess, bei dem Entwickler Einspruch erheben können. Bei Epic scheint das nicht zu existieren.
Warum Plattformen bannen:
- Content-Richtlinien (oft vage formuliert)
- Selbst vergebene Ratings (wie bei Epic)
- Druck von außen (Medien, Politik)
- Interne Entscheidungen ohne Transparenz
Andere Spiele hatten ähnliche Probleme. Hatred wurde 2015 kurzzeitig von Steam entfernt, dann aber wieder zugelassen. Agony wurde massiv zensiert, um auf Konsolen zu kommen. Indie-Entwickler sind besonders verwundbar, weil sie keine Lobby haben. AAA-Studios können sich wehren, Indie-Studios nicht.
Hat Epic recht?
Die Frage ist: Hat Epic berechtigt gehandelt? Das kommt darauf an. Wenn Horses wirklich gegen die Content-Richtlinien verstößt, dann ist der Bann legitim. Aber die Art und Weise ist fragwürdig. Einen Tag vor Release zu bannen, ohne vorherige Kommunikation, ist unfair. Santa Ragione hätte Zeit gebraucht, um das Spiel anzupassen oder zumindest auf andere Plattformen auszuweichen.
Auf der anderen Seite: Epic ist eine private Plattform und kann entscheiden, was sie hosten will. Niemand hat ein Recht darauf, auf dem Epic Store zu sein. Aber Transparenz und Kommunikation sollten selbstverständlich sein. Ein öffentliches Statement “wir lieben dieses Studio” und dann komplett ghosten – das ist scheinheilig.
Häufig gestellte Fragen
Epic sagt, das Spiel verstoße gegen Content-Richtlinien wegen “unangemessenem Inhalt” und habe ein Adults Only-Rating, das auf dem Store nicht erlaubt ist.
Ja. Auf Steam ist das Spiel mit Mature 17+ Rating verfügbar und wurde nicht gebannt.
Sie sind wütend und werfen Epic vor, sie “geghostet” zu haben. Sie sagen, Epic hat das Spiel einen Tag vor Release ohne Vorwarnung gebannt.
Das ist subjektiv. PC Gamer nannte es “einen ernsthaften Versuch, durch Videospiele Räume anzusprechen, die Film und Literatur für selbstverständlich halten.”
Theoretisch ja, aber Epic antwortet nicht auf ihre Anfragen. Ohne Dialog ist ein Einspruch sinnlos.

