Eine niederländische Verbraucherstiftung hat am 24. September 2026 eine Massenklage gegen Epic Games eingeleitet. Sie fordert mehr als 100 Millionen Euro für alle, die Fortnite vor ihrem 21. Geburtstag gespielt haben. Der Vorwurf: Der Shop im Spiel setze junge Spieler gezielt unter Druck.
Was die Stiftung fordert
Hinter der Klage steht die Stichting Massaschade & Consument, kurz SMC. Die Organisation ist auf Sammelklagen spezialisiert und vertritt nun niederländische Fortnite Spieler, die zum Zeitpunkt ihrer Käufe jünger als 21 waren.
Die Forderung besteht aus zwei Teilen. Epic soll das Geld zurückzahlen, das junge Spieler unter Druck ausgegeben haben. Zusätzlich verlangt die Stiftung Schadenersatz für die Betroffenen. Zusammen ergibt das nach Angaben der Stiftung einen Betrag von über 100 Millionen Euro.
| Angabe | Details |
| Klägerin | Stichting Massaschade & Consument |
| Beklagte | Epic Games |
| Betroffene | niederländische Spieler unter 21 Jahren |
| Forderung | über 100 Millionen Euro |
| Stand | Haftungsschreiben zugestellt, Gespräche angeboten |
| Gericht | erst, falls keine Einigung gelingt |
Die Altersgrenze von 21 Jahren ist bewusst gewählt. Viele Spieler, die heute erwachsen sind, haben in jüngeren Jahren gekauft und sollen ebenfalls erfasst werden.
Wichtig ist der Stand des Verfahrens. Formal hat die Stiftung Epic zunächst ein Schreiben zugestellt, das die Haftung geltend macht. Vor Gericht landet der Fall erst, wenn Gespräche über einen Vergleich scheitern.
Countdowns, die nie ablaufen
Im Kern geht es um die Gestaltung des Shops. Die Stiftung wirft Epic vor, junge Spieler mit künstlicher Eile zum Kauf zu drängen.
Ein Beispiel nennt die Stiftung ausdrücklich. Im Spiel liefen Uhren herunter, die den Eindruck erweckten, ein Angebot verschwinde gleich. Tage später sei der Artikel aber immer noch im Laden gewesen. Wer schnell zugriff, stand also unter einem Druck, den es gar nicht gab.
Die Vorsitzende der Stiftung, Lucia Melcherts, stellt klar, dass es nicht um ein Verbot des Spiels geht. Ihre Begründung für die Forderung ist einfach: Eine Behörde habe festgestellt, dass Epic Regeln missachtet habe, und ein Gericht habe das bestätigt. Deshalb solle Epic den Spielern ihr Geld zurückgeben.
Die Studie hinter der Klage
Die Stiftung stützt sich auf eine Befragung von über 1.000 niederländischen Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren. Zwei Forscher der Universität Amsterdam haben zudem beschrieben, wie das Spiel Käufe mitten im Spielgeschehen platziert.
- Sechs von zehn Käufern empfanden die Spielwährung nicht als echtes Geld
- Die Hälfte bereute Käufe, die unter Zeitdruck entstanden
- Angebote tauchen laut Studie dann auf, wenn Spieler am wenigsten kritisch sind
Der Vorlauf: Eine Strafe aus dem Jahr 2024
Die Klage kommt nicht aus dem Nichts. Sie baut auf einem Verfahren der niederländischen Verbraucherbehörde ACM auf, das bereits abgeschlossen ist.
| Datum | Ereignis |
| 14. Mai 2024 | Die ACM verhängt eine Strafe von 1,125 Millionen Euro gegen Epic |
| 14. Januar 2026 | Ein Gericht in Rotterdam bestätigt die Strafe |
| 24. September 2026 | Die Stiftung leitet die Massenklage ein |
Die Behörde hatte damals drei Dinge beanstandet: Kaufaufforderungen, irreführende Countdowns und die ständig wechselnde Auswahl im Shop. Zusammen hätten sie Kinder unfair unter Druck gesetzt.
Genau diese Feststellung macht die neue Klage so gefährlich für Epic. Die Stiftung muss den Verstoß nicht mehr selbst beweisen, sie kann sich auf ein bestätigtes Urteil stützen. Offen bleibt vor allem, wie hoch der Schaden für jeden einzelnen Spieler ausfällt.
Auch in den USA hatte Epic bereits Ärger. Dort einigte sich das Unternehmen 2022 mit der Handelsbehörde FTC auf Zahlungen von umgerechnet rund 450 Millionen Euro, unter anderem wegen ungewollter Käufe.
Auch die Daten von Kindern stehen im Fokus
Neben dem Shop greift die Klage einen zweiten Punkt auf. Die Stiftung wirft Epic vor, persönliche Daten von Minderjährigen gesammelt zu haben, ohne dass die Eltern zugestimmt hätten.
Auch dafür verlangt sie eine Entschädigung. Wie hoch dieser Anteil an der Gesamtforderung ist, hat die Stiftung nicht aufgeschlüsselt.
Der Vorwurf erinnert an das Verfahren in den USA. Dort hatte die Handelsbehörde Epic ebenfalls vorgeworfen, Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne elterliche Erlaubnis verarbeitet zu haben. Epic zahlte damals eine Rekordsumme, räumte aber kein Fehlverhalten ein.
In Europa gelten für solche Daten besonders strenge Regeln. Die Datenschutzgrundverordnung verlangt bei Kindern je nach Land eine Zustimmung der Eltern, meist bis zum Alter von 16 Jahren. Genau hier könnte die Stiftung ansetzen, falls sie nachweisen kann, dass Epic diese Zustimmung nicht eingeholt hat.
Belegt ist dieser Teil der Vorwürfe bislang allerdings nicht. Anders als beim Shop gibt es dazu noch kein Urteil in den Niederlanden.
Wie Epic reagiert
Epic verweist auf Schutzfunktionen, die inzwischen im Spiel stecken. Das Unternehmen betont, es habe den Shop bereits umgebaut.
Diese Änderungen nennt Epic:
- Im Shop gibt es keinen Countdown mehr, der ein Ablaufen anzeigt
- Eltern können für jeden Kauf eine PIN verlangen
- Minderjährige in den Niederlanden sehen keine Artikel, die kürzer als 48 Stunden verfügbar sind
- Konten von Kindern unter 16 Jahren starten eingeschränkt, Käufe mit echtem Geld brauchen die Zustimmung der Eltern
Damit argumentiert Epic, das Problem sei längst behoben. Die Stiftung sieht das anders, denn ihre Forderung bezieht sich auf Käufe aus der Vergangenheit. Auch wenn der Shop heute anders aussieht, bleibt das damals ausgegebene Geld ausgegeben.
Tatsächlich zeigen die Änderungen, dass Epic die Kritik ernst genommen hat. Dass sie erst nach der Strafe kamen, stärkt allerdings die Position der Stiftung.
Zu der konkreten Klage hat sich Epic bislang nicht ausführlich geäußert. Ob das Unternehmen auf das Angebot für Gespräche eingeht, ist offen.
Wie es jetzt weitergeht
Das Verfahren steht ganz am Anfang. Zunächst hat die Stiftung das Haftungsschreiben zugestellt und Gespräche über einen Vergleich angeboten. Scheitern diese, zieht sie vor Gericht.
Die Stiftung ist dabei kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat bereits Verfahren gegen große Namen angestoßen, darunter TikTok, Google, Sony, Snapchat und Klarna. Nicht alle diese Fälle verliefen erfolgreich.
Für Epic hat ein Vergleich durchaus Vorteile. Er beendet das Verfahren schneller und vermeidet ein Urteil, auf das sich andere Kläger berufen könnten.
Wie lange sich das hinziehen kann, zeigt die Erfahrung mit Sammelklagen in den Niederlanden. Solche Verfahren dauern oft Jahre, bis ein Gericht über den eigentlichen Schaden entscheidet.
Die Frage der Zuständigkeit
Ein Fall zeigt, wo die Stolperfallen liegen. Die Klage gegen Airbnb wies ein Berufungsgericht ab, weil die Stiftung in Irland hätte klagen müssen, wo der europäische Sitz des Unternehmens liegt. Dieser Fall liegt inzwischen beim höchsten Gericht der Niederlande. Ähnliche Fragen könnten sich auch bei Epic stellen.
Was das für Spieler in Deutschland bedeutet
Direkt betroffen sind nur Spieler aus den Niederlanden. Wer in Deutschland spielt, kann sich dieser Klage nicht anschließen und hat damit auch keinen Anspruch auf eine mögliche Zahlung.
Trotzdem lohnt der Blick über die Grenze. Die Vorwürfe gegen den Shop betreffen Mechaniken, die in ganz Europa ähnlich funktionierten. Fällt ein niederländisches Gericht ein deutliches Urteil, dürften Verbraucherschützer in anderen Ländern genau hinsehen.
Für junge Spieler und ihre Eltern gilt unabhängig davon:
- Lege in den Kontoeinstellungen eine PIN für Käufe fest
- Nutze die Elternfunktionen von Epic und deiner Konsole für Ausgabenlimits
- Rechne Preise der Spielwährung in Euro um, bevor du kaufst
- Lass dich von ablaufenden Angeboten nicht unter Druck setzen
Solche Einstellungen findest du bei Epic im Konto unter den Elternfunktionen. Auf PlayStation, Xbox und Switch gibt es zusätzlich eigene Limits für Ausgaben. Gerade der letzte Punkt ist der Kern des ganzen Streits. Wer weiß, dass ein Angebot wiederkommt, kauft deutlich entspannter.
Die Rechnung für alte Tricks wird fällig
Epic hat seinen Shop inzwischen umgebaut, doch die Klage zeigt, dass damit nicht alles erledigt ist. Wer jahrelang mit künstlicher Eile verkauft hat, muss sich nun für die Vergangenheit verantworten. Dass eine Behörde und ein Gericht die Praxis bereits als unfair eingestuft haben, gibt der Stiftung ein starkes Fundament.
Ob am Ende tatsächlich 100 Millionen Euro fließen, bezweifeln wir allerdings. Sammelklagen ziehen sich, und Fragen der Zuständigkeit können ein Verfahren schnell ausbremsen. Wahrscheinlicher ist ein Vergleich deutlich unter der geforderten Summe, zumal jeder einzelne Schaden erst beziffert werden muss.
Wichtiger als der Betrag ist das Signal an die gesamte Branche, und das reicht weit über Fortnite hinaus. Countdowns, Spielwährungen und rotierende Shops stecken in unzähligen Spielen für junge Menschen. Setzt sich die Stiftung durch, müssen viele Hersteller ihre Läden überdenken, und davon profitieren am Ende genau die Spieler, die bisher am leichtesten unter Druck geraten sind.
Häufige Fragen zur Klage gegen Epic
Die niederländische Stiftung Massaschade & Consument hat die Massenklage eingeleitet. Sie vertritt Spieler aus den Niederlanden, die Fortnite vor ihrem 21. Geburtstag gespielt haben. Die Stiftung ist auf Sammelklagen spezialisiert.
Insgesamt verlangt sie mehr als 100 Millionen Euro. Darin stecken Rückzahlungen für Käufe unter Druck und zusätzlicher Schadenersatz. Hinzu kommt eine Entschädigung für die Nutzung von Kinderdaten.
Nein, die Klage betrifft ausschließlich Spieler aus den Niederlanden. In Deutschland gibt es derzeit kein vergleichbares Verfahren. Ein Urteil könnte aber Signalwirkung für andere Länder haben.
Noch nicht. Die Stiftung hat Epic zunächst ein Haftungsschreiben zugestellt und Gespräche über einen Vergleich angeboten. Erst wenn diese scheitern, geht der Fall vor Gericht.
Ja, laut Epic gibt es keine ablaufenden Countdowns mehr im Shop. Eltern können eine PIN für Käufe festlegen, und junge Spieler brauchen für Käufe mit Echtgeld die Zustimmung der Eltern. Die Klage bezieht sich jedoch auf frühere Käufe.