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Gaming-Soundtracks – Die besten Komponisten der Spielemusik

Wer schon mal mit Kopfhörern durch Hyrule gelaufen ist, Ellie beim Gitarrespielen zugehört hat oder durch das Weltall von Skyrim geflogen ist, weiß: Die Musik eines Spiels kann genauso mitreißend sein wie ein Kinofilm. Hinter diesen unvergesslichen Klängen stecken Komponistinnen und Komponisten, die teils Jahrzehnte an ihrer Handschrift gearbeitet haben. Dieser Artikel stellt die wichtigsten von ihnen vor – wer sie sind, was sie gemacht haben und warum ihre Musik so bleibt.

Warum Spielemusik etwas Besonderes ist

Musik in Spielen funktioniert anders als in Filmen. Im Kino ist die Laufzeit festgelegt – der Komponist weiß genau, wann welche Note erklingt. In einem Spiel kann eine Person stundenlang in derselben Umgebung verbleiben, schnell durch einen Bereich rasen oder sich treiben lassen. Die Musik muss das alles mitmachen, ohne jemals störend zu wirken. Das erfordert eine völlig andere Herangehensweise an Melodie, Tempo und Wiederholung.

Gleichzeitig ist Spielemusik oft der erste Kontakt vieler junger Menschen mit großer Orchestermusik. Konzerte, bei denen ausschließlich Spielemusik gespielt wird – zum Beispiel die „Symphonic Game Music Concerts” oder die „Video Games Live”-Tournee – füllen weltweit Konzertsäle. Was als technisches Anhängsel begann, ist heute ein eigenständiger Kunstbereich mit internationaler Anerkennung.​

Kōji Kondō – der Mann hinter Mario und Zelda

Kein Name steht so sehr für die Geschichte der Spielemusik wie Kōji Kondō, geboren am 13. August 1961 in Nagoya, Japan. Er begann 1984 bei Nintendo und schrieb noch im selben Jahr seine ersten Melodien – darunter die Musik für das Boxspiel Punch-Out!!. Dann kam 1985 Super Mario Bros., und mit ihm eine der bekanntesten Melodien der Menschheitsgeschichte.​

Was Kondō ausmacht, ist seine Fähigkeit, mit einfachsten Mitteln Emotionen zu erzeugen. Die Oberwelt-Melodie von Super Mario Bros. passt zur Energie des Laufens und Springens wie kein zweites Musikstück. 1986 folgte The Legend of Zelda, dessen Überworld-Thema in seiner Bekanntheit der Mario-Melodie kaum nachsteht. Kondō schrieb seitdem Musik für nahezu jedes große Nintendo-Spiel, darunter Super Mario 64 (1996), Ocarina of Time (1998) und Super Mario Odyssey (2017). 2024 wurde er in die Ruhmeshalle der Academy of Interactive Arts & Sciences aufgenommen.

Nobuo Uematsu – der Beethoven der Spielemusik

Nobuo Uematsu, geboren 1959 in Japan, ist einer der wenigen Spielekomponisten, die auch außerhalb der Branche als Legende gelten. Als Autodidakt brachte er sich das Klavierspielen selbst bei und begann Mitte der 1980er-Jahre bei Square Enix zu arbeiten. Sein erster großer Auftrag: das Musik für das erste Final Fantasy (1987).​​

Was folgte, ist eine der längsten und beständigsten Karrieren in der Spielemusik: Uematsu komponierte Musik für nahezu jeden Hauptteil der Final-Fantasy-Reihe. Seine bekanntesten Werke sind der Soundtrack zu Final Fantasy VI (1994), Final Fantasy VII (1997) und Final Fantasy X (2001) – allesamt Meisterwerke, die Fans auch heute noch in Konzerthallen lauschen. Besonders das Stück „One-Winged Angel” aus Final Fantasy VII, das erstmals Chor-Elemente in ein Videospiel brachte, gilt als Meilenstein der Spielemusik. Seit 2004 arbeitet Uematsu freiberuflich und nimmt Aufträge auch außerhalb der Final-Fantasy-Reihe an.​

Yoko Shimomura – von Street Fighter zu Kingdom Hearts

Yoko Shimomura, geboren 1967 in Japan, ist eine der einflussreichsten Frauen in der Geschichte der Spielemusik. 1988 begann sie ihre Karriere beim Spieleentwickler Capcom und schrieb dort Musik für 17 Spiele – darunter das bis heute erfolgreiche Kampfspiel Street Fighter II (1991). Deren Musik ist so charakteristisch, dass einzelne Figuren-Themen wie Ryus oder Chun-Lis Melodie weltweit erkennbar sind.​

Ihr bekanntestes Werk entstand jedoch nach ihrem Wechsel zu Square: Kingdom Hearts (2002) – ein Spiel, das Disney-Welten mit japanischen Rollenspielen verbindet, und dessen Soundtrack Shimomuras einzigartigen Stil aus emotionalen Klaviermelodien und orchestralen Ausbrüchen perfekt zeigt. Der Titelsong „Dearly Beloved” wird beim Namen Shimomura sofort assoziiert. Weitere bekannte Werke sind Super Mario RPG, Xenoblade Chronicles und der Soundtrack zu Kingdom Hearts III (2019).​

Gustavo Santaolalla – Stille als stärkstes Instrument

Gustavo Santaolalla, geboren am 19. August 1951 in Buenos Aires, Argentinien, ist der einzige Spielekomponist auf dieser Liste, der zuvor zwei Oscars gewonnen hat – für die Filmmusiken zu Brokeback Mountain (2006) und Babel (2007). Sein Einstieg in die Spielebranche kam 2013 mit The Last of Us, einem Auftrag von Naughty Dog, den er nach eigenem Bekunden schon drei Jahre vor der Veröffentlichung annahm.

Von Jorge Barragan/Festival Internacional de Cine en Guadalajara – Gustavo SantaolallaUploaded by Martin H.

Santaolallas Stil ist das Gegenteil von opulentem Kino-Orchester: Er setzt auf Stille, Raum und Akustik. Für The Last of Us verwendete er akustische Gitarren, eine elektrische Gitarre, ein seltenes Instrument namens Tiple sowie einfaches PVC-Rohr als Klangelement. Das Ergebnis ist eine Musik, die trauer und Verlust spürbar macht, ohne ein einziges Wort zu benötigen. Santaolalla komponierte auch die Musik zu The Last of Us Part II (2020) und zur HBO-Fernsehserie The Last of Us (seit 2023).

Mick Gordon – Metal als Spielemusik

Mick Gordon, geboren 1987 in Australien, steht für einen Stil, den vor ihm kaum jemand in der Spielebranche so konsequent vertreten hat: Industrial Metal als Spielemusik. Seit 2014 arbeitet er mit dem Publisher Bethesda Softworks zusammen und schrieb Musik für Wolfenstein: The New Order, Wolfenstein: The Old Blood und das Actionspiel Prey.

Sein bekanntestes Werk ist zweifellos der Soundtrack zu DOOM (2016) – ein Werk, das bei den Game Awards als bestes Musik- und Klangergebnis ausgezeichnet wurde, den DICE Award gewann, den SXSW Gaming Award erhielt und zusätzlich für den BAFTA nominiert war. Der Soundtrack kombiniert tief gestimmte Metalriffs im sogenannten Djent-Stil mit industriellen elektronischen Klängen – ein Sound, der so gut zum Spielprinzip passte, dass er das gesamte Genre beeinflusst hat. Für DOOM Eternal (2020) versammelte Gordon mehrere Metal-Musiker um sich, um einen noch massiveren Klang zu erzielen.​

Jeremy Soule – die Stimme der Fantasie-Rollenspiele

Jeremy Soule, geboren am 19. Dezember 1975 in Keokuk, Iowa, ist der Komponist, dem Millionen von Spielenden die klangliche Welt von Mittelerde, Tamriel und anderen Fantasiewelten verdanken. Er begann früh in der Branche und schrieb bis Mitte der 2000er-Jahre Musik für Dungeon Siege, Star Wars: Knights of the Old Republic, Harry Potter und die Elder-Scrolls-Reihe.​

Seinen absoluten Höhepunkt erreichte Soule mit The Elder Scrolls IV: Oblivion (2006), für das er den MTV Video Music Award in der Kategorie „Beste Spielemusik” gewann. Nur wenige Jahre später folgte mit dem Soundtrack zu The Elder Scrolls V: Skyrim (2011) sein wohl bekanntestes Werk – eine Musik, die mit dem markanten Drachenchor in der Eingangsmelodie „Dragonborn” so tief ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt ist, dass selbst Menschen, die Skyrim nie gespielt haben, die Melodie kennen. Der Soundtrack erhielt eine BAFTA-Nominierung und zahlreiche weitere Auszeichnungen.

Jesper Kyd – Assassins Creed und der Sound der Geschichte

Jesper Kyd, 1972 in Dänemark geboren, ist einer der wenigen Spielekomponisten, die konsequent historische Atmosphäre in Musik verwandeln. Sein bekanntestes Werk ist die Musik zur Hitman-Reihe sowie zu den ersten beiden Teilen von Assassin’s Creed – besonders der Soundtrack zu Assassin’s Creed II (2009), der mit seiner Mischung aus Renaissance-Klängen, Orchestermusik und elektronischen Elementen bis heute als einer der besten Spielesoundtracks gilt.

Kyds Musik füllt seit Jahren Konzertsäle –  die Assassin’s-Creed-Soundtracks gehören zu jenen Spielesoundtracks, die besonders häufig für Orchesterkonzerte ausgewählt werden.​

Die wichtigsten Komponisten im Vergleich

Komponist Land Bekannteste Werke Besondere Auszeichnung
Kōji Kondō Japan Super Mario Bros., The Legend of Zelda, Ocarina of Time ​ Hall of Fame der AIAS 2024 ​
Nobuo Uematsu Japan Final Fantasy VI, VII, X ​ Namensgebend für das Genre der JRPG-Musik
Yoko Shimomura Japan Street Fighter II, Kingdom Hearts ​ Eine der einflussreichsten Frauen in der Spielemusik
Gustavo Santaolalla Argentinien The Last of Us, The Last of Us Part II Zwei Oscars für Filmmusik (2006, 2007) ​
Mick Gordon Australien DOOM (2016), DOOM Eternal ​ DICE Award, SXSW Award, Game Awards Best Music ​
Jeremy Soule USA Elder Scrolls III–V, Star Wars: KOTOR ​ MTV VMA Beste Spielemusik 2006, BAFTA-Nominierung ​
Jesper Kyd Dänemark Hitman-Reihe, Assassin’s Creed Regelmäßig bei Orchesterkonzerten weltweit gespielt

Wo man Spielemusik legal hören kann

Spielemusik muss nicht mehr aus Videodateien extrahiert werden – die meisten großen Soundtracks sind heute auf Streaming-Plattformen erhältlich:

  • Spotify und Apple Music: Nahezu alle hier genannten Soundtracks sind verfügbar
  • YouTube Music: Viele Entwickler betreiben offizielle Kanäle, auf denen vollständige Soundtracks kostenlos abrufbar sind
  • Bandcamp: Besonders für unabhängige Spielemusik und Remixalben eine wichtige Plattform, auf der Komponistinnen und Komponisten direkt unterstützt werden können

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer gilt als der bekannteste Spielekomponist der Welt?

Kōji Kondō von Nintendo ist vermutlich der bekannteste – seine Mario- und Zelda-Melodien kennen Menschen auf der ganzen Welt, auch viele, die selbst keine Spiele spielen. Nobuo Uematsu und Jeremy Soule sind in der Spieler-Gemeinschaft ähnlich hoch angesehen.

Hat Gustavo Santaolalla wirklich Oscars gewonnen?

Ja. Er erhielt den Oscar als bester Filmkomponist zweimal in Folge – 2006 für Brokeback Mountain und 2007 für Babel – bevor er die Musik für The Last of Us schrieb.

Warum klingt der DOOM-Soundtrack so anders als andere Spielemusik?

Mick Gordon kombiniert absichtlich tief gestimmten Metal im Djent-Stil mit industriellen elektronischen Klängen. Der Sound wurde speziell dafür entwickelt, das aggressive, schnelle Spielgefühl von DOOM klanglich zu verstärken – und gewann dafür mehrere Auszeichnungen.

Gibt es Konzerte, bei denen Spielemusik live gespielt wird?

Ja, regelmäßig und weltweit. Bekannte Konzertformate sind „Video Games Live”, „Symphonic Legends” und länderspezifische Orchesterabende. Auch in Deutschland finden solche Konzerte statt – besonders Final Fantasy, Zelda und Assassin’s Creed sind häufig auf dem Programm.​

Kann man Spielemusik auf normalen Musik-Plattformen hören?

Ja. Die meisten großen Spielesoundtracks sind auf Spotify, Apple Music und YouTube Music verfügbar – oft als offizielle Alben der Entwickler oder Publisher, teils auch kostenlos auf offiziellen YouTube-Kanälen.

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