Zwischen dem Millionenbudget großer Blockbuster-Studios und dem Ein-Mann-Indie-Projekt gibt es eine Kategorie, die immer mehr Aufmerksamkeit bekommt: AA-Spiele. Kompakte Teams, klare Visionen und Geschichten, die unter die Haut gehen. Warum gerade diese Spiele oft das Herzstück eines ganzen Spielejahres bilden, zeigt dieser Überblick.
Was sind AA-Spiele?
Der Begriff AA beschreibt Spiele, die von mittleren Studios entwickelt werden – mit mehr Ressourcen als ein typisches Einzelentwickler-Projekt, aber ohne das Milliarden-Budget der großen Verlage. AA-Studios haben typischerweise zwischen 20 und 200 Mitarbeitende. Diese veröffentlichen seltener als große Publisher und haben mehr kreative Freiheit, weil sie nicht unter dem Druck stehen, Millionen von Exemplaren verkaufen zu müssen, um profitabel zu sein.
Das Ergebnis ist Spiele, die sich etwas trauen. Wo große Studios auf bewährte Formeln setzen, um Risiken zu minimieren, können AA-Teams ungewöhnliche Spielkonzepte, mutige Erzählungen und originelle Mechaniken ausprobieren. Genau das macht viele dieser Titel so besonders – sie überraschen, weil sie nicht nach Schema F entwickelt wurden.
Warum AA-Spiele gerade 2025 so stark waren
2025 war ein außergewöhnlich starkes Jahr für die AA-Kategorie. Während mehrere Großproduktionen enttäuschten oder weit hinter den Erwartungen zurückblieben, kamen mit Clair Obscur: Expedition 33 und Split Fiction zwei Titel, die in Fachpresse und Spielergemeinschaft gleichermaßen für Begeisterung sorgten.
Laut unserer Analyse gehörten beide Titel zu den meistdiskutierten Spielen des Jahres – und keines davon stammt aus einem der großen Spielekonzerne. Die wachsende Spielermüdigkeit gegenüber aggressiven Zahlungsmodellen, aufgeblähten Spielwelten und risikoarmen Fortsetzungen trug dazu bei, dass Spieler gezielt nach Alternativen suchten – und sie in der AA-Kategorie fanden.
Clair Obscur: Expedition 33
Clair Obscur: Expedition 33 vom französischen Erstlingsstudio Sandfall Interactive ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, was ein kleines AA-Team leisten kann. Das rundenbasierte Rollenspiel erschien am 25. April 2025 für PlayStayStation 5, Xbox Series X|S und PC und wurde bei den Game Awards 2025 zum besten Spiel des Jahres gewählt.
Die Geschichte spielt in einer Welt, die von einer rätselhaften Malerin bedroht wird: Jedes Jahr erwacht sie und malt eine Zahl auf einen Monolithen – und alle Menschen in diesem Alter verschwinden in Rauch. Die Expedition 33 ist der Versuch, die Malerin zu stoppen, bevor sie die Zahl 33 erreicht. Was zunächst wie eine klassische Heldengeschichte klingt, entfaltet sich zu einem emotional vielschichtigen Erlebnis mit unerwarteten Wendungen, außergewöhnlicher Musik und einem Kampfsystem, das rundenbasierte Mechanik mit Echtzeit-Ausweichen und Parieren verknüpft.

Das Waffensystem bietet dabei ebenfalls Tiefe: Waffen lassen sich nicht nur durch neue Exemplare austauschen, sondern auch mit Ressourcen aufwerten. Fähigkeitsperks auf Waffen werden ab bestimmten Aufrüstsrufen aktiv und beeinflussen den Kampfstil jedes Charakters individuell. Der Titel kostet zum regulären Preis rund 50 EUR und liefert laut übereinstimmenden Spielermeinungen deutlich mehr Spielspaß als viele teurere Produktionen.
Split Fiction
Split Fiction von Hazelight Studios erschien am 6. März 2025 und verkaufte sich bis zum 6. Mai 2025 über vier Millionen Mal – ein außergewöhnliches Ergebnis für ein Spiel, das ausschließlich im Zweispieler-Modus funktioniert. Entwickelt vom schwedischen Studio hinter It Takes Two (Spiel des Jahres 2021), erzählt es die Geschichte zweier Autorinnen namens Mio und Zoe, die in den Welten ihrer eigenen Geschichten gefangen sind – Mio schreibt Science-Fiction, Zoe Fantasy.

Was Split Fiction auszeichnet, ist die konsequente Abwechslung: Jeder Abschnitt hat andere Spielmechaniken. Mal fliegen die Spieler auf einem Sandhai, mal tanzen sie gegen einen Affen, mal bekämpfen sie eine böse Katze. Das klingt absurd – und ist es auch, aber auf eine völlig stimmige Art. Das kooperative Spielgefühl, das die Entwickler seit Jahren verfeinern, trägt dabei den gesamten Rahmen. Ein besonderes Feature: Der sogenannte Freunde-Pass erlaubt es, das Spiel zu besitzen und einen Freund kostenlos einzuladen – ohne dass dieser das Spiel kaufen muss. Der Preis liegt für die PlayStation-5-Version ab ca. 39 EUR.
Lies of P
Lies of P vom südkoreanischen Studio Neowiz erschien 2023 und ist auch 2025 noch immer aktiv in der Spielergemeinschaft. Es verdient einen Platz in dieser Liste, weil es bewiesen hat, dass der Stil der Souls-ähnlichen Actionspiele von einem mittleren Studio nicht nur kopiert, sondern sinnvoll weiterentwickelt werden kann.

Die Grundlage ist das Märchen von Pinocchio. Dennoch ist sie aber düster, steampunk und in einer Belle-Époque-Welt angesiedelt, in der fast alles Mechanische durchgedreht ist. Kämpfe erfordern präzises Timing beim Parieren und cleveres Ressourcenmanagement, da der Spieler-Charakter Pinocchio Prothesen-Arme mit verschiedenen Fähigkeiten kombinieren kann. Der Titel ist ab ca. 32 EUR erhältlich und richtet sich mit seiner USK-16-Freigabe an erfahrenere Spieler.
Disco Elysium
Kein AA-Überblick ohne Disco Elysium vom estnischen Studio ZA/UM – eines der einflussreichsten Rollenspiele der letzten Jahrzehnte. Es gibt keine klassischen Kämpfe. Stattdessen wird fast alles durch Dialoge und Würfelwürfe gelöst, aus der psychologisch gebrochenen Perspektive eines alkoholkranken Ermittlers.
Was es zu einem AA-Vorzeigeprojekt macht: Ein kleines Team hat eine Erzählung von literarischer Qualität erschaffen, die Fragen über Gesellschaft, Schuld, Politik und Identität stellt – ohne sich an eine sichere Mitte zu halten. Die Spielwelt ist kompakt, die Geschichte dicht. Nichts ist zum Zeitvertreib eingebaut – jedes Gespräch, jede Begegnung, jede Entscheidung trägt zur Erzählung bei.
Was diese Spiele gemeinsam haben
So unterschiedlich Clair Obscur, Split Fiction, Lies of P und Disco Elysium in Stil und Inhalt sind, teilen sie entscheidende Merkmale, die AA-Spiele als Kategorie definieren:
| Merkmal | Was es bedeutet | Beispiel |
| Klare kreative Vision | Ein eindeutiger Stil und Ton, keine Kompromisse für den Massenmarkt | Disco Elysium: keine Kämpfe, reine Erzählung |
| Kompakte Spielwelt | Weniger Inhalt, aber jeder Teil davon mit Bedeutung | Clair Obscur: ~35 Stunden, kaum Leerlauf |
| Risikobereitschaft | Mechaniken, die große Studios nicht ausprobieren würden | Split Fiction: Zwei-Spieler-Only, kein Einzelspieler |
| Emotionale Bindung | Charaktere und Geschichten, die im Gedächtnis bleiben | Lies of P: Pinocchio-Welt mit eigener Atmosphäre |
| Preisliche Zugänglichkeit | Günstiger als AAA-Blockbuster | Meist zwischen 25 und 40 EUR |
AA vs. AAA: Was Spieler wirklich wollen
Die Diskussion um AA-Spiele ist eng verknüpft mit einer wachsenden Unzufriedenheit gegenüber Großproduktionen. Preise von 70 bis 80 EUR für neue AAA-Titel, kombiniert mit aggressiven Zahlungsmodellen, Saisonpässen und unfertigem Ausgangszustand bei Veröffentlichung, haben viele Spieler skeptisch gemacht. AA-Titel kosten in der Regel zwischen 30 und 50 EUR und liefern dafür ein abgerundetes, vollständiges Erlebnis ohne versteckte Zusatzkosten.
Dabei hat die Grafik als alleiniges Kaufargument deutlich an Gewicht verloren. Clair Obscur beeindruckt nicht durch Hyperrealismus, sondern durch einen einzigartigen Bildstil. Disco Elysium sieht aus wie eine Gemäldesammlung und erzählt besser als jedes Spiel mit dreifachem Budget. Die Botschaft, die die erfolgreichsten AA-Titel seit Jahren senden, ist klar. Wer eine klare Vision hat und sie konsequent umsetzt, braucht kein Millionenbudget.
Häufige Fragen (FAQ)
Indie-Spiele stammen aus vollständig unabhängigen Studios, oft mit sehr kleinen Teams und minimalem Budget. AA-Spiele haben mehr Ressourcen, kleinere bis mittlere Teams und oft Unterstützung durch einen Publisher – aber deutlich weniger Budget als große Blockbuster-Produktionen. Die Grenze ist fließend: Clair Obscur von Sandfall Interactive mit rund 30 Mitarbeitenden gilt als AA, während ein Ein-Mann-Projekt wie Stardew Valley als Indie zählt.
AA-Spiele sind in der Regel deutlich günstiger. Während große Neuerscheinungen 70 bis 80 EUR kosten, liegen AA-Titel wie Clair Obscur: Expedition 33 bei rund 50 EUR und Lies of P ab ca. 32 EUR. Dazu kommen selten aggressive Zahlungsmodelle oder Saisonpässe.
Nein. Split Fiction ist ausschließlich als Zweispieler-Koop-Spiel konzipiert und hat keinen Einzelspielermodus. Allerdings bietet der sogenannte Freunde-Pass die Möglichkeit, einen Freund kostenlos einzuladen – nur eine Person muss das Spiel kaufen, die andere kann kostenlos mitspielen.
Das Spiel bietet mehrere Schwierigkeitsgrade und kann auch auf dem niedrigsten für alle Spielertypen zugänglich gemacht werden. Der Standardschwierigkeitsgrad ist anspruchsvoll – Bosskämpfe erfordern das Erlernen von Ausweich- und Parieren-Timing. Wer den Souls-ähnlichen Anspruch nicht mag, kann den Schwierigkeitsgrad jederzeit anpassen, ohne den Spielfortschritt zu verlieren.
Split Fiction eignet sich perfekt als Einstieg, wenn man zu zweit spielt – es ist zugänglich, abwechslungsreich und erzählt eine klar verständliche Geschichte. Wer alleine spielt, ist mit Clair Obscur: Expedition 33 gut beraten, da es trotz seines Anspruchs durch einen niedrigeren Schwierigkeitsgrad auch für weniger erfahrene Spieler genießbar ist und eines der stärksten Spielerlebnisse des Jahres 2025 bietet.

