Ubisoft hat offiziell einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2025/26 eingeräumt. Außerdem verschiebt sich die geplante Rückkehr in die Gewinnzone auf 2027/28. Doch was bedeutet das konkret für dich als Spieler?
Der Milliardenverlust in Zahlen: So schlimm ist die Lage
Die Zahlen, die Ubisoft am 21. Mai 2026 veröffentlicht hat, sind besorgniserregend. Dabei ist der operative Verlust von 1,3 Milliarden Euro der schlimmste in der Unternehmensgeschichte. Zusätzlich brach der Gesamtumsatz um über 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.
Zum Vergleich: Bereits 2022/23 schrieb Ubisoft rote Zahlen. Damals betrug der operative Verlust rund 500 Millionen Euro. Seitdem hat sich die Situation jedoch drastisch verschlechtert. Außerdem musste das Unternehmen rund 500 Millionen Euro auf Forschungs- und Entwicklungskosten abschreiben.
| Kennzahl | Wert |
| Operativer Verlust 2025/26 | 1,322 Milliarden Euro |
| Gesamtumsatz 2025/26 | 1,396 Milliarden Euro |
| Umsatzrückgang gegenüber Vorjahr | −21,8 Prozent |
| Abschreibungen auf Entwicklungskosten | ca. 500 Millionen Euro |
| Operativer Verlust 2022/23 | 500,2 Millionen Euro |
Dennoch bleibt das Unternehmen vorerst handlungsfähig. Die enge Partnerschaft mit dem chinesischen Technologieriesen Tencent sorgt für dringend benötigte Barmittel. So sichert Ubisoft seine kurzfristige Unabhängigkeit, auch wenn die Lage alles andere als komfortabel ist.
Gestrichene und verschobene Spiele: Was fällt weg?
Innerhalb eines einzigen Jahres hat Ubisoft mindestens sieben Spieleprojekte offiziell eingestellt. Das trifft vor allem experimentelle Titel und riskante Neuentwicklungen. Konkret bedeutet das für Spieler, dass weniger Abwechslung im Angebot bleibt.

Die gestrichenen Projekte im Überblick
Folgende Projekte hat Ubisoft offiziell aufgegeben:
- Drei unangekündigte Titel, die bereits im Januar 2023 gestrichen wurden
- Das lang erwartete Prince of Persia: Sands of Time Remake, das nach mehreren Neustarts 2026 endgültig eingestellt wurde
- Der Free-to-Play-Shooter XDefiant, der nach nur sechs Monaten im Februar 2026 abgeschaltet wurde
Das Schicksal von XDefiant
XDefiant war ursprünglich als großer Hoffnungsträger im Bereich dauerhafter Online-Spiele gestartet. Allerdings verlor das Spiel innerhalb weniger Monate massiv an Spielern. Die laufenden Betriebskosten überstiegen schließlich die Einnahmen deutlich. Daher entschied Ubisoft, den Dienst im Frühjahr 2026 komplett einzustellen. Dieser Fehlschlag befeuerte den Milliardenverlust erheblich.
Der ewige Problemfall: Beyond Good & Evil 2
Dieses Projekt läuft seit fast zwei Jahrzehnten und hat intern über 500 Millionen Dollar gekostet. Trotzdem erscheint es nicht in der Liste der gestrichenen Titel. Der Grund dafür ist simpel: Eine Einstellung würde eine riesige Einmalabschreibung auslösen. Diese würde das ohnehin schlechte Finanzergebnis noch weiter verschlechtern. Deshalb bleibt das Spiel offiziell aktiv, auch wenn ein Erscheinungstermin weiterhin vollständig unbekannt ist.
Studioschließungen und Stellenabbau: Wer geht?
Um die Fixkosten um 200 Millionen Euro zu senken, hat Ubisoft weltweit rund 1.200 Stellen gestrichen. Das ist ein massiver Einschnitt, der viele erfahrene Entwickler trifft. Dabei schloss das Unternehmen gleich mehrere Studios komplett.
Geschlossen wurden unter anderem:
- Das Studio in Halifax (Kanada)
- Der Standort in Stockholm (Schweden)
- Das Team in Leamington (Vereinigtes Königreich)
Außerdem reorganisierte Ubisoft seine verbleibenden weltweiten Studios in fünf sogenannte „Kreativhäuser”. Jedes dieser Häuser spezialisiert sich auf ein bestimmtes Genre, etwa offene Welten, Online-Dienste oder Abenteuer. Diese Umstrukturierung soll die Effizienz steigern und Doppelarbeit vermeiden. Ob das Konzept aufgeht, wird die Zukunft zeigen.
Fokus auf Kernmarken: Was bleibt übrig?
Ubisoft konzentriert sich künftig fast ausschließlich auf bewährte Marken. Experimentelle oder neue Konzepte werden kaum noch eine Chance bekommen. Das klingt zunächst sicher, birgt aber langfristig Risiken.
| Kernmarke | Status | Besonderheit |
| Assassin’s Creed | Hauptsäule, aktiv | Shadows nach mehreren Verschiebungen erschienen |
| Far Cry | Kernmarke, aktiv | Nächster Teil unangekündigt |
| Ghost Recon | Kernmarke, aktiv | Teil der Tom-Clancy-Familie |
| Rainbow Six Siege | Stabil, 30 Mio. Spieler | Wichtigste Einnahmequelle im Online-Bereich |
| Anno | Kernmarke, aktiv | Besonders in Europa beliebt |
Darüber hinaus setzt Ubisoft auf ein Assassin’s Creed IV: Black Flag Remake unter dem Titel Black Flag Resynced. Dieses Remake soll am 9. Juli 2026 erscheinen. Damit versucht Ubisoft, mit Nostalgie kurzfristig Einnahmen zu sichern. Außerdem weitet das Unternehmen den Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz stark aus, um Produktionskosten bei Dialogen und Weltgestaltung zu senken.
Die Ursachen der Krise: Wie konnte das passieren?
Der Ubisoft-Milliardenverlust kam nicht über Nacht. Stattdessen sammelten sich über Jahre hinweg mehrere Probleme an. Zusammen führten sie in die aktuelle Krise.
Die Formel hat sich abgenutzt
Viele Spieler kritisieren seit Jahren, dass sich Ubisoft-Spiele zu ähnlich anfühlen. Nahezu jeder Titel bietet eine riesige offene Welt mit denselben Mechaniken. Diese Übersättigung hat das Vertrauen der Spieler schrittweise geschwächt. Sinkende Vorbestellerzahlen zeigen das deutlich.
Live-Dienste haben nicht funktioniert
Ubisoft hat stark auf dauerhaft betriebene Online-Titel gesetzt. Diese Spiele sollen durch Zusatzinhalte wie Kostüme oder Saisonkarten kontinuierlich Geld einbringen. Allerdings scheiterten mehrere dieser Projekte, besonders XDefiant. Gleichzeitig wollen viele Spieler lieber klassische Einzelspieler-Erfahrungen.
Teure Entwicklung ohne Ergebnis
Projekte wie Beyond Good & Evil 2 oder das Prince of Persia Remake verschlangen enorme Summen. Keines davon gelangte jemals auf den Markt. Diese Fehlinvestitionen haben die finanzielle Lage massiv belastet. CFO Frederic Duguet fasste es so zusammen:
Wir haben sieben Projekte eingestellt und sechs weitere verschoben, was die erhöhten Qualitätskriterien und eine Neuausrichtung auf die Chancen mit dem höchsten Potenzial widerspiegelt.
Was der Ubisoft Milliardenverlust für dich als Spieler bedeutet
Die Krise bei Ubisoft hat ganz konkrete Auswirkungen auf das Spielerlebnis. Einige davon spürst du bereits heute, andere werden in den nächsten Jahren deutlicher werden.
Folgendes kannst du erwarten:
- Weniger experimentelle Spiele: Neue, unbekannte Konzepte werden kaum noch finanziert
- Höhere Spielpreise: Große Titel kosten mittlerweile standardmäßig 70 bis 80 Euro
- Schnellere Server-Abschaltungen: Ältere Online-Spiele mit wenig Nutzern werden früher eingestellt
Außerdem verlässt Ubisoft bewusst den Pfad der Innovation. Der Börsenwert des Unternehmens halbierte sich zwischen 2025 und 2026 nahezu vollständig. Das zeigt, wie groß das Misstrauen von Investoren mittlerweile ist. Dennoch bleibt das Unternehmen dank Tencent kurzfristig am Leben. CEO Yves Guillemot erklärt die Lage so:
Die Spielebranche ist beständig selektiver und wettbewerbsintensiver geworden, mit steigenden Entwicklungskosten und größeren Herausforderungen bei der Schaffung neuer Marken.
Die Rückkehr in die Gewinnzone soll erst im Geschäftsjahr 2027/28 gelingen. Bis dahin befindet sich Ubisoft offiziell in einer „Phase der Transformation”. Wie diese Transformation konkret aussieht, zeigt sich Schritt für Schritt.
Ubisoft am Scheideweg: So geht es weiter
Der Ubisoft-Milliardenverlust ist ein historischer Tiefpunkt für das Unternehmen. Allerdings ist die Lage noch nicht hoffnungslos. Mit den richtigen Entscheidungen kann das Unternehmen langfristig wieder Fahrt aufnehmen.
Kurzfristig stützen das Black Flag Resynced-Remake und der stabile Betrieb von Rainbow Six Siege mit 30 Millionen aktiven Spielern die Einnahmen. Mittelfristig sollen Künstliche Intelligenz und die neue Studiostruktur die Kosten senken. Langfristig hängt alles davon ab, ob Ubisoft das Vertrauen der Spieler zurückgewinnt. Das gelingt nur mit qualitativ hochwertigen Spielen, die echte Begeisterung auslösen. Die Zeichen stehen auf Wandel, doch der Weg ist noch weit.
Häufig gestellte Fragen zum Ubisoft Milliardenverlust
Nein, eine unmittelbare Pleite droht nicht. Die Partnerschaft mit Tencent sichert kurzfristig die Finanzen. Allerdings bleibt die Lage angespannt bis mindestens 2027/28.
Nein, die Kernmarken wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six sind sicher. Sie sind die einzigen verlässlichen Einnahmenquellen des Unternehmens.
Ubisoft möchte die monatlichen Fixkosten um 200 Millionen Euro senken. Studioschließungen in Halifax, Stockholm und Leamington sind Teil dieses Sparplans.
Aufgrund der Sparmaßnahmen werden unrentable Server schneller abgeschaltet. Ubisoft konzentriert Ressourcen auf Titel mit hohen aktiven Nutzerzahlen.
Das Unternehmen hat die Rückkehr in die Gewinnzone offiziell auf das Geschäftsjahr 2027/28 verschoben. Bis dahin läuft die sogenannte Transformationsphase weiter.