Am 10. Februar haben rund 1200 Ubisoft-Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Der dreitägige internationale Streik richtet sich gegen Massenentlassungen, Studio-Schließungen und den kompletten Zwang zurück ins Büro. Was diesen Streik besonders macht: Er ist nicht nur auf ein Studio oder ein Land begrenzt, sondern wurde von fünf französischen Gewerkschaften gemeinsam organisiert.
Die werfen CEO Yves Guillemot vor, seine eigenen Angestellten zu ignorieren und sie wie unmündige Kinder zu behandeln. Marc Rutschlé von der Gewerkschaft Solidaires Informatique brachte es gegenüber GamesIndustry.biz auf den Punkt: “Es ist uns klar, dass Yves Guillemot kein Wissen oder Verständnis für sein Unternehmen oder seine Mitarbeiter hat.”
Der Auslöser
Der Auslöser kam am 21. Januar, als Guillemot ein neues Sparpaket im Wert von 200 Millionen Euro ankündigte. Gleichzeitig verkündete er das Ende der Homeoffice-Regelung, mehrere Studio-Schließungen und die Streichung von sechs Spielen in Entwicklung – darunter das bereits mehrfach verschobene Prince of Persia: The Sands of Time Remake. Das Brisante daran: Die Gewerkschaften erfuhren davon aus der Presse, nicht etwa in internen Meetings oder Betriebsratssitzungen. “Wir wurden zur gleichen Zeit informiert wie die Presse, obwohl nur wenige Tage zuvor verpflichtende Konsultationen mit den Betriebsräten stattgefunden hatten”, schrieb die Gewerkschaft STJV (Syndicat des Travailleurs et Travailleuses du Jeu Vidéo) auf Bluesky. Ein klarer Vertrauensbruch, der viele Mitarbeiter auf die Barrikaden brachte.
Die Schließung von Ubisoft Halifax
Am 26. Januar folgte die nächste Hiobsbotschaft: 200 Mitarbeiter am Pariser Hauptsitz sollten “freiwillig” gehen. In der Praxis heißt das: Entweder du gehst jetzt selbst mit einem kleinen Abfindungspaket, oder wir entlassen dich später härter. Viele sehen darin eine Taktik, um Kosten zu drücken und rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Besonders bitter ist die Schließung von Ubisoft Halifax. Das kanadische Studio hatte sich gerade erst gewerkschaftlich organisiert – am 18. Dezember 2025 erhielten 61 von 71 Mitarbeitern ihre Zertifizierung als Game & Media Workers Guild of Canada. Es war die erste Gewerkschaft bei Ubisoft in ganz Nordamerika, ein historischer Moment für die Branche. Nur drei Wochen später, am 7. Januar, kam das Aus. Alle 71 Stellen wurden gestrichen, das Studio komplett dichtgemacht.
| Maßnahme | Details | Zeitpunkt |
| Sparpaket | 200 Millionen Euro Kostenreduktion | 21. Januar |
| Studio-Schließungen | Halifax, Stockholm und weitere | Januar-Februar |
| Entlassungen | 200 “freiwillige” Kündigungen am Pariser HQ | 26. Januar |
| Spiele gestrichen | 6 Projekte inkl. Prince of Persia Remake | 21. Januar |
| Homeoffice-Ende | Komplette Rückkehr ins Büro bis Ende 2026 | 21. Januar |
Der Grund dafür
Ubisoft behauptet, die Entscheidung für Halifax habe nichts mit der Gewerkschaft zu tun und sei schon lange vorher getroffen worden. Die Gewerkschaft glaubt das nicht – und hat Klage eingereicht. In Kanada ist es illegal, ein Unternehmen zu schließen, nur weil sich Mitarbeiter organisieren. Jon Huffman, Lead Programmer bei Halifax, sagte gegenüber BetaKit: “Ich habe berechtigte Fragen zum Timing.” Das Studio arbeitete an einem großen Projekt mit Februar-Deadline. Ob das Spiel jemals erscheint, ist jetzt völlig unklar.
Die französischen Gewerkschaften sehen die Streiks als letztes Mittel. Die Frustration ist riesig, weil die Teams ohnehin schon unter Druck und unterbesetzt arbeiten. Das Statement der Gewerkschaft STJV bringt es auf den Punkt: “Wir lieben Ubisoft, und genau deshalb empört uns diese Situation!” Fünf Gewerkschaften rufen gemeinsam zum Streik auf: CFE CGC, CGT, Printemps Écologique, Solidaires Informatique und STJV. Rund 1200 Mitarbeiter beteiligten sich am ersten Streiktag, die meisten davon aus Frankreich, wo Gewerkschaften traditionell stärker organisiert sind als in Nordamerika.
Das klingt nach viel, ist aber nur ein Bruchteil der weltweiten Ubisoft-Belegschaft. Viele der großen Studios in Kanada – Montreal, Quebec, Toronto – sind nicht gewerkschaftlich organisiert. Dort fehlt die Infrastruktur für koordinierte Arbeitskämpfe, und die rechtliche Lage ist schwieriger. Ein kanadischer Mitarbeiter wurde bereits gefeuert, weil er die neuen Richtlinien in internen Chats kritisiert hat. Ubisoft nannte das einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex. Anders als in Frankreich haben kanadische Studios keinen rechtlichen Schutz durch Gewerkschaften – ein Problem, das sich jetzt rächt.
Beteiligte Gewerkschaften am Streik:
- CFE CGC (Gewerkschaft für Führungskräfte und Techniker)
- CGT (Confédération Générale du Travail)
- Printemps Écologique (Ökologie-Gewerkschaft)
- Solidaires Informatique (IT-Gewerkschaft)
- STJV (Gewerkschaft für Videospiel-Arbeiter)
Nicht zum ersten Mal
Das ist nicht der erste Streik bei Ubisoft. Schon 2025 gab es Proteste wegen schlechter Arbeitsbedingungen und toxischer Unternehmenskultur. Mehrere Führungskräfte wurden wegen Fehlverhaltens entlassen. Die finanzielle Lage ist angespannt: Star Wars Outlaws floppte beim Release, Assassin’s Creed Shadows wurde verschoben, und der Aktienkurs liegt bei etwa der Hälfte des Vorjahreswerts. Tencent hat sich mit 26 Prozent an der Tochtergesellschaft Vantage Studios beteiligt, die die wichtigsten Franchises wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six verwaltet. Trotz dieser massiven Investitionen müssen die Mitarbeiter bluten.
Viele Fragen noch offen
Die Fragen, die sich viele stellen: Warum müssen einfache Entwickler für das Missmanagement der Chefetage bezahlen? Warum werden Studios geschlossen, die profitabel arbeiten? Und warum wird die Homeoffice-Regelung abgeschafft, obwohl sie während der Pandemie hervorragend funktioniert hat und die Mitarbeiter deutlich zufriedener gemacht hat? Guillemot hat darauf bisher keine überzeugenden Antworten geliefert. Stattdessen verweist er auf Effizienz und Kosteneinsparungen – Argumente, die bei den Betroffenen nicht ankommen.
| Land | Gewerkschaftsstatus | Streik-Beteiligung |
| Frankreich | Stark organisiert, mehrere Gewerkschaften | Hoch (ca. 1000 Mitarbeiter) |
| Kanada | Schwach, Halifax war erste Gewerkschaft | Sehr niedrig |
| USA | Nicht organisiert | Keine Beteiligung |
Bisher hat Ubisoft keine Anzeichen gezeigt, die Pläne zu überdenken. Die Streiks könnten aber ein wichtiges Signal senden: Die Mitarbeiter sind nicht bereit, alles stillschweigend hinzunehmen. Ob das ausreicht, um Guillemot zum Umdenken zu bewegen? Wahrscheinlich nicht. Aber der Kampf selbst ist wichtig, weil er zeigt, dass die Branche nicht wehrlos ist. Jon Huffman von Halifax brachte es treffend auf den Punkt: “Wir haben mehr Unterstützung erfahren als jemals zuvor in so einer Situation. Ich führe das darauf zurück, dass wir in einer Gewerkschaft sind.” Für viele Entwickler weltweit könnte das ein Weckruf sein: Organisiert euch, bevor es zu spät ist.
Häufig gestellte Fragen
Sie protestieren gegen 200 Entlassungen, mehrere Studio-Schließungen, den Zwang zurück ins Büro und die Streichung von sechs Spieleprojekten. CEO Yves Guillemot informierte sie über die Presse statt intern.
Ubisoft sagt nein. Aber die Schließung kam drei Wochen nach der Gewerkschaftsgründung. Die Gewerkschaft hat Klage eingereicht, weil in Kanada Union Busting illegal ist.
Etwa 1200 am ersten Tag, hauptsächlich aus Frankreich. In Kanada und den USA gibt’s kaum Gewerkschaften, deshalb ist die Beteiligung dort minimal.
Mindestens sechs Projekte, darunter das Prince of Persia Remake. Weitere Namen hat Ubisoft nicht genannt.
Schwer zu sagen. Ubisoft ändert bisher nichts. Aber der Streik zeigt, dass die Mitarbeiter kämpfen – und das ist schon ein wichtiges Signal an die Branche.

